Niedriges Honorar als Freiberufler sinnvoll?

Wer als Freiberufler seine berufliche Existenz aufbauen möchte, sollte mit zu niedrigen Preisen vorsichtig sein.

Sicher, einige Kunden lassen sich davon locken, andere wiederum schließen von allzu niedrigen Preisen auf eine mangelhafte Qualität der Arbeit.

Es ist zudem schwer, später den Preis nach oben zu korrigieren.

Viele Kunden werden sich sagen, warum sie denn nun für die gleiche Arbeit mehr bezahlen sollten?

Das Honorar muss immer so angelegt sein, dass es die Kosten decken kann.

Diese können bewusst niedrig gehalten werden – mit einer einfachen Internetseite, mit einem Büro in der eigenen Wohnung und dem Verzicht auf Mitarbeiter.

Der Kunde wird damit jedoch von Vornherein auch einen niedrigen Preis für die gebotene Leistung assoziieren.

Für die meisten Freiberufler gilt es, preiswert zu arbeiten. Preiswert heißt, dass die Leistung nicht zu billig angeboten wird, aber auch nicht zu teuer. Dabei ist ein Gewinn des Freiberuflers mit einkalkuliert.

Zur Verdeutlichung ein Beispiel:

Man nehme ein neues Elektronikgerät: Es wird zu einem enorm hohen Preis auf den Markt gebracht – und dort sogar zu diesem Preis verkauft. Das liegt daran, dass es eine bestimmte Zielgruppe gibt, die auf das Produkt schon lange gewartet hat und nun bereit ist, auch den hohen Preis zu zahlen. Später wird sich der Preis relativieren und sinken, es wird eine größere Zielgruppe angesprochen.

Dieses Beispiel kann auf viele Produkte übertragen werden. Bei der Leistung eines Freiberuflers funktioniert das Prinzip aber nur bedingt. Er kann seine Leistung anfangs zu hohen Preisen anbieten, wird damit aber kaum Glück haben.

Es gibt zu viele freiberufliche Übersetzer, Dolmetscher, Texter, Grafiker oder Lektoren, die ihre Leistung anbieten.

Wer mit ganz besonderen Zusatzqualifikationen aufwarten kann, wird damit Erfolg haben, für „Otto Normalfreiberufler“ wird das nicht funktionieren.

Das Vorbild der großen Unternehmen kann also nicht übertragen werden. Es wird von Vornherein eine andere Zielgruppe angesprochen. Zu niedrig darf das Honorar aber auch wieder nicht ausfallen, dann ist zum einen kein Gewinn mehr möglich, zum anderen wird eine Zielgruppe erreicht, die vielleicht so nicht gewünscht war – die Steigerungschancen sind begrenzt.

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