Die Arbeitslosenversicherung für Freiberufler

Im Idealfall bleibt ein Existenzgründer direkt nach der Gründung und auch die Jahre danach auf eigenen beruflichen Beinen stehen.
Arbeitslosigkeit?
Aus der hat sich so mancher Selbstständige oder Freiberufler durch die Gründung doch erst befreit.

Doch angesichts schwankender Auftragslagen und zumindest teilweiser Unkenntnis über geeignete Marketingstrategien schwebt die Arbeitslosigkeit wie ein Damoklesschwert über dem Selbstständigen. 

Wie kann ein Freiberufler arbeitslos werden?

Das neue Wort „arbeitssuchend“, das anstelle von „arbeitslos“ von der Agentur für Arbeit verwendet wird, beschreibt die Situation mancher Freiberufler ziemlich gut.

Sie suchen nach Arbeit, weil die Aufträge nicht in ausreichender Menge oder die Honorare in der passenden Höhe hereingeholt werden.

Teilweise wird aus einer anfänglichen Nebenberuflichkeit in die hauptberufliche Selbstständigkeit gestartet – für eine solche reicht die Zahl der Kunden aber nicht aus.

Vielleicht ist für den gewählten Berufszweig auch die vom Markt geforderte Qualifizierung nicht gegeben und so wählen potenzielle Auftraggeber eher andere Dienstleister aus.

Eventuell ist das Honorar zu niedrig kalkuliert und ein Gewinn bleibt am Monatsende nicht übrig.

Oder der Freiberufler war längere Zeit krank und damit praktisch vom Markt verschwunden – selbst die früheren Stammkunden haben sich neu orientiert.
Wenn diese dann mit der ursprünglichen Notlösung zufrieden sind, kann es passieren, dass sich die Kunden gar nicht mehr zurückmelden. 

Fazit:
Ehe der Freiberufler wirklich ohne Arbeit ist, sucht er in der Regel (meist verzweifelt) nach Aufträgen.

Hierbei kann er sich sprichwörtlich selbst eine Grube graben:
Auf der Suche nach Aufträgen wird das Honorar nach unten kalkuliert.

Die Kunden fragen sich dann vielleicht:
Warum ist dieser Texter/Grafiker/Fotograf/Korrektor/Wissenschaftslektor etc. so günstig?
Bietet er keine gute Qualität?

Und schon kann es passieren, dass sich ein potenzieller Kunde eher an andere Dienstleister wendet, die diesen subjektiven Kriterien entsprechend mehr Qualität versprechen. Ob das der Fall ist oder nicht, kann so natürlich nicht beurteilt werden.

Die Folge für den Freiberufler:
Nur noch wenige Aufträge werden generiert und diese womöglich zu einem schlechten Preis, daraus resultiert dann die Betriebsaufgabe und Abwicklung der selbstständigen Tätigkeit, also die Schließung des Unternehmens. 

Möglichkeiten der Absicherung

Ein Freiberufler ist im Gegensatz zu einem Arbeitnehmer nicht dazu verpflichtet, sich gegen Arbeitslosigkeit zu versichern.
Nicht selten wird dann auch darauf verzichtet, weil die Beiträge gescheut werden.

Doch das Angebot der Agentur für Arbeit, sich als Freiberufler freiwillig gegen Arbeitslosigkeit zu versichern, ist durchaus interessant. 

Voraussetzungen für die Versicherung

Vor Aufnahme der Tätigkeit muss der Freiberufler innerhalb der letzten zwei Jahre für mindestens zwölf Monate versicherungspflichtig beschäftigt gewesen sein und dabei Beiträge an die Arbeitslosenversicherung abgeführt haben.

Möglich ist hier auch das Zusammenrechnen einzelner Versicherungszeiten.

Eine mögliche Voraussetzung für die Leistungen ist auch, dass der Betreffende direkt vor seiner Selbstständigkeit Sozialleistungen bezogen hat. Wer grundsätzlich versichert ist, kann sich nicht mehr freiwillig versichern lassen. 

Antragstellung

Den Antrag auf die freiwillige Arbeitslosenversicherung wird am Wohnort gestellt und hier bei der Agentur für Arbeit.
Dies muss innerhalb der ersten drei Monate der Freiberuflichkeit geschehen.

Die freiberufliche Tätigkeit muss für mindestens 15 Stunden pro Woche ausgeübt werden und wird durch eine Bescheinigung des Steuerberaters oder durch die Gewerbeanmeldung nachgewiesen. 

Wie sind die Beiträge?

Für das Jahr 2016 wurde der Beitrag auf drei Prozent festgesetzt.
Ausgegangen wird dabei von einer Bezugsgröße von 2905 Euro für die westlichen und von 2520 Euro für die östlichen Bundesländer. Somit ergibt sich ein Beitrag von 87,15 bzw. von 75,60 Euro (West bzw. Ost). 

Wer gerade erst als Freiberufler gestartet ist, profitiert von einer Sonderlösung:
Für das Jahr der Existenzgründung sowie für das Folgejahr werden nur die halbierten Beiträge zur Zahlung fällig.

Das gilt nicht für Freiberufler, die aus bestimmten Gründen ihre Tätigkeit immer wieder unterbrechen und neu aufnehmen, wenn die Startphase abgelaufen ist, gilt die Sonderregelung auch hier nicht mehr. 

Scheitern der Freiberuflichkeit

Nun kann es passieren, dass die Freiberuflichkeit tatsächlich scheitert.
Sind die Voraussetzungen für den Erhalt von Arbeitslosengeld erfüllt, so kann die Versicherung nun mit der Auszahlung beginnen.

Nebenbei dürfen Freiberufler bis zu 165 Euro zuverdienen, diese sind nicht anrechenbar.
Allerdings gilt dann, dass der (ehemalige) Freiberufler dazu verpflichtet ist, sich dem Arbeitsmarkt zur Verfügung zu stellen und jede zumutbare Tätigkeit anzunehmen. 

Die Höhe des Arbeitslosengeldes wird nach dem fiktiven Arbeitsentgelt berechnet.
Dieses orientiert sich an den gegebenen Qualifikationen und an der ehemals ausgeübten Beschäftigung. 

Private Arbeitslosenversicherung für Freiberufler: Gewinnbringend oder nicht?

Die private Arbeitslosenversicherung wird gern als Alternative zur gesetzlichen Absicherung verkauft – doch ist sie wirklich lohnend? 

Nur wenige Versicherer bieten heute noch eine solche private Absicherung an und so können zum Beispiel bis zu 1000 Euro als zusätzliche Zahlung im Versicherungsfall angerechnet werden.

Die private Versicherung zahlt aber nur, wenn der Betreffende auch arbeitslos gemeldet ist, gleichzeitig ist eine Wartezeit fällig.
Diese beträgt derzeit drei Monate.

Die Versicherung springt dann für höchstens 21 Monate ein.

Die Besonderheit: Tritt nach einer Angestelltentätigkeit oder einer gewissen Zeit der Freiberuflichkeit erneut eine Arbeitslosigkeit ein, so übernimmt die private Versicherung die Kosten bzw. tritt sie wieder in Leistung. 

Bedingungen der privaten Arbeitslosenversicherung

Die private Arbeitslosenversicherung zahlt aber nur, wenn die Leistung aufgrund einer betriebsbedingten Kündigung fällig wird. Wer von sich aus kündigt oder aufgrund seines Verhaltens die Kündigung erhält, bekommt keine Leistungen zugestanden. Außerdem müssen pro Monat mindestens 1000 Euro netto verdient werden, die Arbeitszeit muss 15 Stunden in der Woche überschreiten. Auch Saisonarbeiter, Auszubildende oder Angestellte eines Familienmitglieds können sich nicht privat gegen Arbeitslosigkeit versichern. 

Die Kosten der privaten Arbeitslosigkeitsversicherung

Wer die 1000 Euro als monatliche Leistung bekommen will, muss derzeit 46 Euro pro Monat als Leistung aufbringen, für 500 Euro Leistung sind es dementsprechend nur 23 Euro.

Die Laufzeit der meisten Verträge beträgt drei Jahre. 

Fazit

Bei einem Freiberufler stellt sich die Frage, ob sich die private Arbeitslosenversicherung überhaupt lohnt.
Dies muss jeder aufgrund seiner monatlichen betrieblichen Einnahmen und betriebliche Ausgaben selbst einschätzen können – empfehlenswerter ist aber die freiwillige gesetzliche Arbeitslosenversicherung.

Diese orientiert sich in ihrer Höhe an den letzten Einnahmen, die private Arbeitslosenversicherung hingegen wird nur über einen bestimmten Betrag abgeschlossen. 

Was kann ein Freiberufler mit sinkender Auftragslage tun?

Die Aufträge verkleinern sich in ihrer Zahl in der Regel nicht von heute auf morgen, sie werden langsam weniger.
Stammkunden brechen weg und es werden keine neuen Kunden geworben.

Vielleicht wurde auch der Zeitpunkt für eine Anpassung des Honorars verpasst.
Aus welchen Gründen auch immer die Auftragslage mehr schlecht als recht ist – der Freiberufler muss eine Lösung finden.

Hier bieten sich viele verschiedene Ansatzmöglichkeiten. 

Zum einen können neue Dienstleistungen in das Angebot aufgenommen werden.

Das ist zum Beispiel dadurch möglich, dass der Freiberufler selbst Aus- und Weiterbildung durchführt oder dass er eine Bürogemeinschaft gründet.
In dieser können mehrere Freiberufler zusammenarbeiten und so eine ganze Palette an Leistungen anbieten.
Lesen Sie doch auch hierzu unseren Beitrag:
Rechtsformen für Kooperationen

Die Zahl der Kunden wird sich rasch erhöhen, denn viele werden es zu schätzen wissen, das komplette Programm aus einer Hand zu bekommen.
Solche Kooperationen zwischen Freiberuflern sind aber auch außerhalb einer Bürogemeinschaft möglich, daher der Tipp:
Achten Sie als Freiberufler von Anfang an auf ein gutes Netzwerk bzw. bauen Sie dieses kontinuierlich aus!

Eine zweite Ansatzmöglichkeit ist die Verbesserung von Marketing und Werbung.
Orientieren Sie sich an der Konkurrenz und daran, was diese anders/besser macht als Sie.
Ahmen Sie aber nicht nach, sondern finden Sie Ihren eigenen Stil – eventuell in Kooperation mit einer Werbeagentur. 

Die dritte Möglichkeit, die an dieser Stelle erwähnt werden soll, bezieht sich auf eine weitere Einnahmequelle.

Sie sollten im schlimmsten Fall versuchen, über einen Nebenjob oder eine zusätzliche Angestelltentätigkeit Ihre Einkünfte aus nichtselbständiger Tätigkeit zu erhöhen und damit die Freiberuflichkeit nicht ganz aufzugeben. 

Diese Infos und Tipps zur Arbeitslosenversicherung stammen vom Autor:

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