Die Liquiditätsplanung des Freiberuflers

Die Liquiditätsplanung des Freiberuflers

Die Liquiditätsplanung des Freiberuflers

 

Der Erfolg eines Freiberufler ist zu einem nicht geringen Teil abhängig von einer guten Planung der Liquidität. Der Selbstständige braucht stets einen Überblick über die verfügbaren finanziellen Mittel, um zum Beispiel Rechnungen zu begleichen, laufende Kosten abzudecken und auch nicht vorhersehbare dringende Ausgaben bedienen zu können.

Eine ständige Überwachung der eigenen Zahlungsfähigkeit ist daher unbedingt nötig, um nicht in Insolvenz zu geraten. Sollte es trotzdem mal wirklich eng werden und die Zahlungsfähigkeit des Unternehmers in Gefahr geraten, kann Factoring eine schnelle und einfache Lösung darstellen, um an Liquidität zu kommen. Wie das funktioniert, was Sie beachten sollten und was eine gute Liquiditätsplanung ausmacht, wird im Folgenden erklärt.

Factoring als Finanzierungsform für Unternehmer

Beim Factoring werden Forderungen eines Unternehmens an den Factoring-Anbieter verkauft. Auf diese Weise kann der Factoring-Nehmer die eigene Liquidität schnell steigern. Das kann sinnvoll sein, wenn ein Lieferant beispielsweise bereits Waren geliefert hat, die Begleichung durch den Kunden aber erst in einigen Wochen erfolgen wird. Die Konditionen der Factoring-Anbieter können höchst unterschiedlich ausfallen und sind nicht immer für Freiberufler geeignet. Eine gute Übersicht sowie ausführliche Informationen zu diesem Thema bietet der Ratgeber Factoring Anbieter.

Sollte Factoring als Finanzierungsform für Ihr Unternehmen nicht möglich sein, gibt es natürlich noch den klassischen Weg der Liquiditätserhöhung über einen Kredit für Freiberufler. In der Regel werden solche Kredite von Banken ungern vergeben, daher sollten Sie sich auf das hierfür nötige Gespräch mit Ihrer Bank gut vorbereiten. Tipps hierzu haben wir hier zusammengefasst.

Wie funktioniert eine gute Liquiditätsplanung?

Die Liquiditätsplanung besteht im Wesentlichen darin, betriebliche Einnahmen und betriebliche Ausgaben gemäß ihren Fristen und ihrer Höhe zu ermitteln und festzuhalten. Hierbei gibt es mehrere Punkte, die berücksichtigt werden müssen. Zum Einen betrifft dies die liquiden Mittel, also jene Mittel, die sofort vorhanden und jederzeit verfügbar sind. Wichtig: Barmittel werden hierbei nicht berücksichtigt.

Weiterhin müssen die regelmäßigen Einnahmen erfasst und die zukünftigen Einnahmen geplant werden. Voraussichtliche Einnahmen aus Verkäufen bzw. Projekt- und Kundenaufträgen, aber auch voraussichtliche Darlehen zählen dazu. Freiberufler müssen unbedingt ein angemessenes Honorar kalkulieren, um in Zukunft liquide bleiben zu können. Auch Einlagen und sonstige Einnahmen, also alle Vermögenswerte, müssen festgehalten werden.

HINWEIS: Um einen Überblick über die tatsächlich vorhandenen Mittel zu bekommen, ist die Gründungsbilanz eine wertvolle Hilfe. Sie wird auch Eröffnungs- oder Anfangsbilanz genannt. Die Gründungsbilanz erklärt die Zusammensetzung und den Wert aller eingebrachten Vermögensgegenstände sowie die Kapitalverhältnisse bei der Gründung eines Betriebes.

Eine Bilanz hilft schnell, Vermögen und Kapitalbedarf übersichtlich einzusehen. Im Liquiditätsplan sind weiterhin die verfügbaren Mittel, die sich aus den liquiden Mitteln und den Einnahmen ergeben, zu führen. Sie sind zur Aufrechterhaltung des täglichen Unternehmensbetriebes wichtig.

Zudem werden Ausgaben im Plan für die Liquidität geführt. Es handelt sich dabei um die laufenden Kosten, die nach ihrer Fristigkeit geführt werden müssen, außerdem zählen Rückzahlungen für Darlehen sowie Zinsen hier hinein. Die gesamten betrieblichen Ausgaben und privaten Entnahmen aus dem Geschäftsvermögen ergeben die Gesamtausgaben.

Werden nun alle Einnahmen und Ausgaben gegenüber gestellt, so ergibt sich entweder eine Überdeckung oder eine Unterdeckung:

  • Die Unterdeckung kann beispielsweise durch einen kurzfristigen Kontokorrentkredit von der Bank ausgeglichen werden. Sie macht Kapitalzufluss nötig.
  • Die Überdeckung ist als Gewinn für das Unternehmen zu sehen. Sie ist also das Ziel des Freiberuflers.

Die Liquidität des Freiberuflers kann in drei Ordnungen beschrieben werden:

  1. Zu der ersten Ordnung zählen sämtliche Vermögenswerte, die direkt für Zahlungen aufgewendet werden, die Bankguthaben oder Kassenbestände.
  2. Zur zweiten Ordnung werden zusätzlich die leicht verkäuflichen Vermögensteile gezählt, wie etwa Wechsel und Wertpapiere. Sie stehen zur Zahlung kurzfristig zur Verfügung, aber nicht unmittelbar.
  3. Die dritte Ordnung umfasst die ersten beiden Ordnungen und zusätzlich die Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe, sowie fertige und unfertige Waren.

Alle diese Mittel können dazu verwendet werden, kurzfristige Verbindlichkeiten zu begleichen. Folgendes Video erklärt die Liquiditätsgrade einfach und übersichtlich:

Die Liquidität erhalten und verbessern

Der Erhalt und die Verbesserung der Liquidität wollen gut geplant sein, wenn das Unternehmen erfolgreich arbeiten will. Es gibt daher mehrere Punkte, die dazu beachtet werden müssen.

Freiberufler müssen streng auf ihre Liquidität achten

Freiberufler müssen streng auf ihre Liquidität achten: Bilanzen, Kredite und Factoring können helfen.

Die Ausgabenkontrolle gehört zum Beispiel dazu. Es muss eindeutig festgelegt werden, welche Ausgaben am wichtigsten sind, diese müssen zuerst beglichen werden. Weiterhin müssen die privaten Entnahmen berücksichtigt werden. Sie können immer nur in einem vertretbaren Verhältnis mit den Erträgen des Unternehmens stehen, soll die Liquidität gewährleistet bleiben.

Schon beim Einkauf muss auf günstiges Wirtschaften geachtet werden, es sollten zum Beispiel immer mehrere Angebote eingeholt werden, um letzten Endes den Gewinn möglichst hoch zu halten. Daher heißt es häufig auch:

Im Einkauf liegt der halbe Gewinn.

Investitionen sollten nur dann getätigt werden, wenn die Ertragslage und die finanzielle Situation in Bezug auf die Liquidität dies zulassen, andernfalls sollten nicht unbedingt notwendige Investitionen auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden. Sinnvoll kann es sein, wirtschaftliche Güter zu leasen, statt sie zu kaufen.

Für das Unternehmen bietet das mehrere Vorteile, zum Einen wird das Kapital weniger stark gebunden, die Liquidität also nicht spürbar verringert, das Kreditlimit bei der Bank bleibt auch weiterhin bestehen, außerdem ist die Grundlage für die Kostenrechnung für das Unternehmen eine bessere.

Allerdings ist Leasing eine relativ teure Form der Finanzierung für den Freiberufler. Vor- und Nachteile sollten also gegeneinander abgewogen werden. Kreditaufnahmen sollten gut durchdacht sein und nicht zu sorglos getätigt werden.

Beachten Sie: Wer seinen Kunden Zahlungsziele und damit Rabatte oder Skonti gewährt, sollte sich dabei immer an den Gewinnaussichten orientieren.

Rechnungen sollten immer mit der Ware oder Dienstleistung zusammen verschickt werden, damit der Empfänger die Forderung so früh wie möglich begleichen und die Liquidität des Rechnungsausstellers steigen kann. Offene Rechnungen müssen durch ein gut durchdachtes Konzept für das Mahnwesen überwacht werden. Rechnungen sollten immer fristgemäß angemahnt werden.

Hier kann es auch hilfreich sein, die Einwilligung der Kunden zum Lastschrifteinzug zu bekommen, denn dann bestimmt der Unternehmer den Zeitpunkt des Zahlungseinzuges. Wichtig: Wenn Sie vom SEPA-Lastschriftverfahren Gebrauch machen möchten, müssen Sie einige rechtliche Vorgaben unbedingt beachten.

Auch der Versand per Nachnahme kann sinnvoll sein, denn dann erhält der Kunde seine Ware nur, wenn er auch sofort bezahlt. Zu hohe Lagerbestände können durch Sonderverkäufe abgebaut werden, womit eine kurzfristige Liquidität erreicht wird. Bestellungen sollten also der tatsächlichen Nachfrage des Marktes angepasst werden.

freiberufler ideeTipp: Da unter anderem auch Portogebühren einen hohen Kostenfaktor ausmachen können, ist es sinnvoll, so weit wie möglich auf die Kommunikation per Telefon und E-Mail zurückzugreifen.

Dies spart nicht nur Geld, sondern auch Zeit. Und auch die Zeit des Freiberuflers ist natürlich wertvoll. Im Laufe der Jahre wird so gut wie jeder Selbstständige einen Liquiditätsengpass erleben – manchmal schon zu Beginn der Selbständigkeit, oft aber auch später und das trotz Erfahrung, penibler Liquiditätsplanung sowie guter Auftragslage. Da die drohende Zahlungsunfähigkeit häufig vorkommt, gibt es mittlerweile verschiedene Anbieter für Factoring.

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