Coworking: Mehr als nur Zusammenarbeit?

Coworking: Wenn das gesamte Büro geteilt wird.
Coworking: Wenn das gesamte Büro geteilt wird.

Ursprünglich nur im Silicon Valley, mittlerweile auf der ganzen Welt: Coworking ist der neue Trend in der Arbeitswelt. Gerade auch aufgrund der stetig wachsenden Zahl an freiberuflich arbeitenden Menschen, wächst die Nachfrage für das Konzept immer weiter. Aber auch viele junge Gründer und Startup-Büros setzen immer häufiger auf Coworking. Aber warum ist das überhaupt so? Bietet Coworking wirklich so viele Vorteile, oder handelt es sich lediglich um einen kurzlebigen Trend?

Coworking im Überblick: 

Was wird unter dem Begriff “Coworking” verstanden?

Coworking ist ein relativ neues Arbeitskonzept, bei dem die gesamte Büroinfrastruktur angeboten und mit verschiedenen Unternehmen oder Freiberuflern geteilt wird. In einem Coworking-Büro gibt es in der Regel auf Dauer keine festen Plätze sowie sehr flexible Mietzeiten, die teils sogar nur einige Stunden lang sein können. Alle notwendigen Büromaterialien sind meist schon vor Ort und können mitgenutzt werden. Mehr zur Coworking-Definition lesen Sie hier.

Hat Coworking eine große Bedeutung in Deutschland?

Die Bedeutung von Co-Working-Konzepten nimmt immer mehr zu. Von 2018 bis 2020 hat sich die Anzahl der Anbieter allein in Deutschland vervierfacht. Gerade in städtischen Ballungszentren setzen immer mehr Unternehmen, Freelancer und Gründer auf diese Form der Arbeit.

Welche Vorteile hat Coworking?

Ein Coworking-Space bietet gute Möglichkeiten zum Networking, auch branchenübergreifend. Weiterhin kosten Coworking-Arbeitsplätze in der Regel deutlich weniger, als die Anmietung eines eigenen Büros. Auch die Flexibilität hinsichtlich der Mietdauer und dem Standort des Arbeitsplatzes sagt vielen Menschen zu. Mehr zu den Vorteilen von Coworking lesen Sie hier.

Was ist Coworking?

Coworker tauschen sich untereinander aus: Der soziale Aspekt der Zusammenarbeit steht im Vordergrund.
Coworker tauschen sich untereinander aus: Der soziale Aspekt der Zusammenarbeit steht im Vordergrund.

Der Begriff “Coworking” (oder auch “Co-Working”) stammt aus dem Englischen und bedeutet erst einmal nichts anderes als “zusammenarbeiten”. Wäre es damit schon getan, wäre mit dem Trend nichts Neues erfunden. Deshalb steckt natürlich noch mehr dahinter.

Im Vordergrund steht meist die gemeinsame Nutzung von einem Coworking-Büro oder einem “Coworkspace”. Das sind in der Regel eingerichtete Großraumbüros, die sich z.B.  in alten Fabrikgebäuden oder Lofts befinden können. Anders als bei herkömmlichen Arbeitsmodellen wird der Arbeitsplatz aber nicht von nur einem Unternehmen genutzt, sondern von ganz unterschiedlichen Firmen, Selbstständigen oder Freiberuflern aus verschiedenen Branchen. Dabei gibt es meist keine festen Plätze. Stattdessen findet je nach Belegung ein flexibler Wechsel statt. Zusätzlich zu den eigentlichen Arbeitsplätzen, steht auch die restliche Büroinfrastruktur, wie z.B. Küche oder Freizeitfläche, für alle Coworker zur Verfügung. So kommt es während der Arbeitszeit häufig zu interessanten Treffen und Gesprächen mit immer neuen Gesichtern. 

Im Gegensatz zu bspw. einer Bürogemeinschaft, gibt es also oft kein festes und auf Dauer angelegtes Mietverhältnis hinsichtlich der Arbeitsräume. Vielmehr kann die bereitgestellte Fläche, ähnlich wie bei einer Eventlocation, von allen Interessierten gebucht werden, wodurch ein häufig wechselndes Arbeitsumfeld mit einer sehr offenen Atmosphäre entsteht.

Entwicklung von Coworking in Deutschland

Wie eingangs schon erwähnt, stammt der Trend zum Coworking aus dem Silicon Valley in Kalifornien. Auch dort war schon Anfang der 2000er-Jahre das Bedürfnis nach einer neuen Arbeitsweise groß, um die Motivation und Kreativität der Mitarbeiter zu fördern und den sozialen Aspekt der Arbeit in den Vordergrund zu rücken. Aber auch in Deutschland hatte das Konzept “Coworking” schon früh Bedeutung. Erste Vorläufer mit “shared workspace” (geteilten Arbeitsplatz) existierten etwa in Berlin schon in den 1990er-Jahren. Während die Bewegung erst langsam Fahrt aufnahm, explodierte die Anzahl an Coworking-Anbieter in Deutschland insbesondere in der zweiten Hälfte der 2010er-Jahre. 

So gab es in Deutschland im Jahr 2018 laut Markterhebung des Bundesverbandes Coworking-Spaces Deutschland (BVCS) rund 300 Coworking-Spaces, im Juni 2020 waren es bereits fast 2000 – das entspricht einer Vervierfachung innerhalb von nur zwei Jahren. Die Tendenz ist steigend.

Nach einer Studie des Instituts für Innovation und Technik, die das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie bereits 2018 in Auftrag gegeben hat, befanden sich die meisten Coworking-Spaces in Ballungszentren. Von den deutschen Coworking-Büros befanden sich demnach zu diesem Zeitpunkt weit über die Hälfte in Berlin, die restlichen verteilten sich etwa in Köln, Düsseldorf, Bonn und Bayern.

Coworking: Vorteile und Nachteile

Um herauszufinden, ob Coworking eine gute Idee ist, lohnt sich ein differenzierter Blick auf Vor- und Nachteile.
Um herauszufinden, ob Coworking eine gute Idee ist, lohnt sich ein differenzierter Blick auf Vor- und Nachteile.

Aufgrund der steigenden Zahlen kann unter Umständen schnell der Schluss gezogen werden, dass der Trend zum “Co-Work” ein alternativloses Arbeitskonzept der Zukunft ist. Sicherlich bietet ein Coworking-Arbeitsplatz viele Vorteile. Dennoch lohnt sich auch in einem weiteren Schritt ein differenzierter Blick auf das Phänomen, um herauszufinden, ob die Nutzung von einem Coworking-Space im konkreten Einzelfall überhaupt sinnvoll wäre.

Vorteile in einer Co-Working-Area

Ein erster Vorteil liegt auf der Hand: Networking. Gerade für junge Unternehmen und Gründer, die sich im Markt etablieren wollen, aber auch für startende Freiberufler, bietet Coworking die ideale Gelegenheit, um sich mit den unterschiedlichsten Menschen auszutauschen und Kontakte zu knüpfen. Dabei profitieren die Coworker vor allen Dingen auch vom gegenseitigen Wissen, wodurch oft kreative und effiziente Lösungsansätze auf der Arbeit gefunden werden können.

Ein weiterer nicht zu vernachlässigender Aspekt sind die Kosten.Während für die Anmietung von gesamten Bürokomplexen häufig horrende Summen verlangt werden, verursacht die Arbeit im Coworking-Space weitaus weniger Kosten. Das liegt zum einen an den geringeren Mietkosten, zum anderen aber auch an den verminderten Anschaffungskosten für Büromaterialen etc. Diese sind in einem Coworking-Büro nämlich meist schon vorhanden.

Was die Buchung eines Coworking-Spaces genau kostet, lässt sich jedoch nicht pauschal beantworten. Dies ist stark abhängig davon, wo sich der Arbeitsplatz befindet und wie lange der Platz genutzt werden soll. Der Preis für eine monatliche Anmietung startet oft bei etwa 150 Euro, ein Tagesticket gibt es teilweise schon ab 15 Euro. Einen geeigneten Coworking-Arbeitsplatz in Ihrer Umgebung können Sie z.B. hier suchen.

Neben Networking und dem Kostenaspekt setzen viele Unternehmen auch wegen der enormen Flexibilität auf das Cowork-Konzept. Insbesondere hinsichtlich der Mietdauer lassen sich nur schwer anpassungsfähigere Alternativen finden. Auch wenn das Team kurzfristig vergrößert oder verkleinert werden soll, bietet ein Coworking-Büro oft schnelle Lösungen an.

Coworking-Nachteile und Kritik

Neben den genannten Vorteilen, gibt es aber auch teils Kritik am Coworking. Unter anderem tauchen dabei folgende Bedenken auf:

Dauerhafte Umgebungsgeräusche können sich im Coworking zum Nachteil ergeben.
Dauerhafte Umgebungsgeräusche können sich im Coworking zum Nachteil ergeben.
  • unruhiges Arbeitsumfeld: Während der ständige Coworker-Durchlauf für die Einen eine enorme Bereicherung ist, kann dies für Andere auch schnell lästig und zur Konzentrationsminderung führen
  • Konkurrenz kann anwesend sein: Die offenen Büros können natürlich auch dazu beitragen, dass die Strategie des Unternehmens schnell öffentlich wird und konkurrierende Unternehmen die Geschäftsideen abkupfern.
  • Planungsunsicherheit: Bei spontanen Meetings kann es vorkommen, dass kurzfristig kein Platz zur Verfügung steht. So kann es bei der Planung von bspw. Kundenkontakten teils zu Problemen kommen

Letztlich sollten Sie als Freelancer oder Unternehmer also stets abwägen, ob Coworking wirklich für Sie geeignet ist. Dabei sollten Sie natürlich auch immer auf das generelle Unternehmensklima und die Arbeitsweise Ihrer Mitarbeiter schauen.

Quellen und weiterführende Links

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