Die erzieherische Tätigkeit

Die freiberufliche Erzieherin

Die freiberufliche Erzieherin

 

Durch die Erziehung sollen Charakter und Persönlichkeit herausgebildet und gefestigt werden, was im Gegensatz zu den Zielen des Unterrichts steht. Beim Unterricht geht es darum, Fähigkeiten und Fertigkeiten zu vermitteln, die zur Ausübung einer bestimmten Tätigkeit oder weiterführend für den Erwerb anderer Kenntnisse nötig sind.

Der Bundesfinanzhof hat die erzieherischen Tätigkeiten als planmäßig bezeichnet und dazu geeignet, junge Menschen körperlich, geistig und charakterlich zu schulen. Sie sollen dadurch in der Lage sein, die Aufgaben, die das Leben an sie stellt, eigenverantwortlich und selbstständig zu übernehmen.

Freiberufliche Erziehungsarbeit

Die freiberufliche Erziehungsarbeit liegt nur dann vor, wenn die Persönlichkeit des Menschen in ihrer Gesamtheit geformt werden soll und die Tätigkeit nicht nur auf einige Teilbereiche der Beziehungen von Menschen untereinander abzielt.

Hinweis: Eine Erwachsenenerziehung wird hier nicht hinzugerechnet.

Für die Tätigkeit als Erzieher wird keine besondere Ausbildung oder Qualifikation benötigt, es ist auch möglich, ohne Erlaubnis oder Prüfung erzieherisch tätig zu werden. Ein Beispiel dafür ist die Tätigkeit der Tagesmutter, die bei Betreuung einer bestimmten Kinderzahl erlaubnisfrei und ohne Auflage von Prüfungen auszuüben ist. Wichtig ist in jedem Fall, dass die Erziehungsarbeit auf selbstständiger Basis erfolgt. Das heißt, es muss sich um eine eigenverantwortliche und leitende Tätigkeit handeln, andernfalls gilt die Arbeit nicht als freiberuflich erziehend. Wenn zum Beispiel ein Kinderheim oder Kinderhort betrieben wird, kann das ebenfalls als freiberufliche Tätigkeit eingestuft werden. Möglich ist das in dem Fall, wenn die Leitung des Heims mit ihrer erzieherischen Tätigkeit maßgeblich die gesamte Leistung des Heims prägt und die untergebrachten Kinder charakterlich, geistig und körperlich geformt werden.

Einstufung als Gewerbebetrieb

Es handelt sich nicht um eine freiberufliche erzieherische Tätigkeit, wenn der Erholungseffekt für Körper und Geist im Vordergrund steht, wie das beispielsweise bei einem Genesungsheim der Fall ist. Dann liegt ein Gewerbebetrieb vor. Auch bei einem Internat, in dem Kinder nicht nur unterrichtet, sondern auch untergebracht und verköstigt werden, liegt ein gewerblicher Betrieb vor. Schule und Internat werden dann gleichgestellt und es erfolgt die einheitliche Einstufung als Gewerbebetrieb. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Internatsleitung für die Formung der jungen Menschen maßgeblich verantwortlich ist – in Zusammenarbeit mit den fachlich versierten Mitarbeitern -, denn in dem Gesamtbetrieb wird eine Einheit gesehen.

Erzieherin in Kindertagesstätte

Erzieherin in Kindertagesstätte

Berufe für Erzieher

Es gibt viele verschiedene Berufe in unterschiedlichen Einrichtungen, die für ein Erzieherin als Tätigkeitsfeld in Frage kommen. Wichtig ist, dass in jedem Fall in eine ausreichende Weiterbildung investiert wird. Auch ein Erzieher muss sich um das lebenslange Lernen bemühen, wie das in anderen Berufen ebenso der Fall ist. Er muss rechtliche Regelungen kennen, erzieherische Angebote für verschiedene Institutionen umsetzen und Kindern in ihrer Entwicklung voranhelfen.

So kann eine Erzieherin in Hort und Kindertagesstätte, in Krippen, Kinderheimen, Internaten oder als Tagesaufsicht an Schulen in ihrem Beruf zum Einsatz kommen. Auch im sozialen Dienst werden immer wieder Erzieherinnen mit einer guten pädagogischen Ausbildung gesucht. Wichtig ist, dass nicht nur das nötige Grundwissen mitgebracht wird, sondern auch eine ausgeprägte Sozialkompetenz.

Rechtssprechung zur erzieherischen Tätigkeit

Freiberufler Recht und GesetzeSofern ein Erzieher eigenverantwortlich und regelmäßig Einfluss auf die Erziehung der ihm anvertrauten Kinder nimmt, handelt er im Sinne eines Freiberuflers. Das gilt synonym auch für Hundetrainer oder andere Berufstätige, die mit Erziehung und Ausbildung befasst sind. Grundlage für das Urteil des Finanzgerichts Hamburg war ein Fall, bei dem eine Erzieherin ein eigenständiges Konzept für eine Kita entwickelt hatte, allerdings mit angestellten Erzieherinnen gemeinsam tätig war.

Das Finanzamt wollte dies als gewerbliche Tätigkeit einstufen, weil die alleinige Verantwortung fehlte. Doch die Klägerin konnte nachweisen, dass sie maßgeblich zur Erziehung eines jeden einzelnen Kindes beitrug und somit das nötige Maß an Eigenverantwortung, welches für die Anerkennung der Freiberuflichkeit wichtig ist, mitbringt. Die Mitarbeiter müssen dafür regelmäßig kontrolliert werden, weil über diese direkt Einfluss auf die Erziehung der Kinder genommen werden kann.

Außerdem muss eine persönliche Bindung zu den Kindern bestehen, was die Klägerin ebenfalls nachweisen konnte. Die nötige Eigenverantwortlichkeit ist in jedem Fall gegeben, damit besteht der Anspruch auf die Einstufung als Freiberufler. (FG Hamburg, Urteil v. 20.1.2015, 3 K 157/14)

Diese Hinweise und Tipps zur erzieherischen Tätigkeit stammen vom Autor:

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (43 Bewertungen, Durchschnitt: 4,30 von 5)
Loading...