Freiberuflicher Dolmetscher als Beruf

Von Jürgen Busch

Letzte Aktualisierung am: 12. Juli 2024

Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten

Freiberuflicher Dolmetscher
Freiberuflicher Dolmetscher

Dolmetscher übersetzen mündlich aus einer Ausgangssprache heraus in eine Zielsprache und umgekehrt. Damit werden sprachliche Barrieren überwunden, wie sie beispielsweise bei Verhandlungen zwischen Geschäftspartnern, vor Gericht, bei Kongressen oder Tagungen vorkommen.

Immer häufiger arbeiten Dolmetscher freiberuflich, die Zahl der Festanstellungen ist stetig im Sinken begriffen. Sie sind aber nicht nur für Auftraggeber aus der Wirtschaft tätig, sondern auch zum Beispiel für EU-Institutionen, bei Behörden von Bund oder Ländern oder auch in Agenturen für Kommunikation und Medien. Die Arbeitsbereiche der freien Dolmetscher sind daher sehr vielfältig und bieten ein breites Betätigungsfeld.

Zugang zum Beruf

In der Regel wird für die Tätigkeit als freier Dolmetscher ein Abschluss des entsprechenden Studiengangs vorausgesetzt. Dolmetschen wird als Bachelor- und darauf aufbauend als Masterstudiengang an verschiedenen Hochschulen angeboten. Auch im Rahmen einer Weiterbildung zum Beispiel an einer Fernhochschule ist die Ausbildung zum Dolmetscher möglich. Es sollte eigentlich ein Dolmetscher-Studium in Betracht gezogen werden, denn hier werden die sprachlichen Feinheiten gründlich gelehrt.

Wichtig ist immer der Aufenthalt in dem Land, in dem die jeweilige Sprache gesprochen wird, denn nur so lassen sich praktische Spracherfahrungen sammeln, die für die spätere Auftragsbearbeitung wichtig sind.

Wer als beeidigter Dolmetscher tätig sein will, muss dafür von einem Gericht berufen werden; der Zugang ist hier reglementiert.

Wichtige berufliche Fähigkeiten

Freie Dolmetscher müssen in der Lage sein, immer das richtige Wort zu finden. Sie übersetzen Alltags- oder Fachtexte auf verschiedene Arten (z. B. durch Simultan- oder Konsekutivdolmetschen). Sie müssen die Fähigkeit mitbringen, Sachverhalten zu umschreiben oder auch wortwörtlich in die Zielsprache zu übertragen. Der Inhalt des originalen Satzes muss dabei immer erhalten bleiben. Der Dolmetscher muss sich somit rasch auf stetig ändernde Bedingungen einstellen können und intelligente Lösungsansätze finden.

Er braucht daher nicht nur eine besondere sprachliche und fachliche Qualifikationen, sondern muss auch analytisch-methodisch denken können, muss unter stressigen Bedingungen fehlerfrei arbeiten können und sich einer permanenten Weiterbildung unterziehen. Außerdem ist gerade für den freien Dolmetscher Mobilität sehr wichtig.

Honorare von freiberuflichen Dolmetschern

Das durchschnittliche Tageshonorar eines gut qualifizierten freien Dolmetschers liegt bei rund 900 Euro. Abhängig ist die Höhe des Honorars vom Fachgebiet sowie vom sprachlichen Anspruch der Übersetzungsarbeit. Außerdem spiegelt das Dolmetscher-Honorar nicht zuletzt die Umstände wieder, unter denen die Arbeit erbracht wird, denn wenn der Dolmetscher in ein anderes Land reist und dort die Arbeit übernimmt, wird er ein deutlich höheres Honorar ansetzen, als bei einer Tätigkeit direkt vor Ort.

Spezialisierungen

Der freie Dolmetscher hat eine Vielzahl von Möglichkeiten, sich auf ein Fachgebiet zu spezialisieren. So kann er sich auf die Wirtschaft, auf Verhandlungen oder Konferenzen geben und sein Wissen in diesen Bereichen stetig erweitern. Da er dafür die betreffenden Terminologien genau kennen muss, bedeutet das eine ständige Weiterbildung und Erweiterung des Wortschatzes. Der freie Dolmetscher kann sich auch gänzlich auf das Simultan- oder Konsekutivdolmetschen spezialisieren und bietet seine Leistung nur noch in diesem Bereich an.

Ein weiteres Fachgebiet ist das Terminologiemanagement, in dem viele freiberufliche Dolmetscher tätig sind.

Dolmetscher und Weiterbildung

Für einen Sprachmittler ist die Weiterbildung natürlich immens wichtig. Ob er sich nun andere Sprachen aneignen möchte, als Konferenzdolmetscher für Englisch und Französisch arbeiten will, bei einer europäischen Konferenz mitarbeiten oder als Fachübersetzer tätig werden möchte – die Weiterbildung ist der Schlüssel zum Erfolg.

Hier werden alle nötigen Fähigkeiten, die für Übersetzungen bei Veranstaltungen, Konferenzen einer Organisation oder als Gerichtsdolmetscher benötigt werden, vermittelt. Die Kosten, die durch eine Kursbelegung an der Universität oder an Dolmetscherschulen entstehen, können als Betriebsausgaben abgesetzt werden.

Arbeiten mit Kollegen

Natürlich muss allen Dolmetschern klar sein, dass sie auch im Team arbeiten können müssen. Ihr Berufsbild sieht keine Einzeltätigkeit vor. Wer zum Beispiel bei einer internationalen Konferenz als Simultandolmetscher arbeitet, muss sich stets mit anderen Dolmetschern abwechseln.

Nur so kann sichergestellt werden, dass die Übersetzungen korrekt und das gesprochene Wort oder ganze Texte richtig an den Mann oder Frau gebracht werden. Die Dolmetscherin oder der Dolmetscher bedient sich dafür unterschiedlicher Werkzeuge, die auf hohem technischen Niveau funktionieren.

Büromanagement und Verwaltungsarbeit

Das Finanzamt möchte gern Ihre Einkünfte nachvollziehen können und braucht dafür die Rechnungen, zumindest im Rahmen einer Betriebsprüfung. Sie müssen daher bestimmte Anforderungen beachten, die für solche Dokumente zu erfüllen sind. Wenn Sie also Rechnungen schreiben, können Sie hier nicht frei walten und gestalten, wie es Ihnen beliebt. Sollte der Kunde seiner Zahlungsverpflichtung nicht nachkommen, sind Mahnungen zu verfassen, die eine Zahlungsfrist beinhalten.

Wollen Sie diese Sache gänzlich umgehen, können Sie die Offerte diverser Zahlungsdienstleister nutzen, die ein Factoring für Freiberufler anbieten. Damit sind Sie gut gerüstet, wenn es um möglicherweise ausbleibende Zahlungen geht, denn der Dienstleister übernimmt das Ausfallrisiko. Die Kosten für diesen Service sollten Sie anteilig auf Ihre Kunden umlegen. Generell ist es empfehlenswert, auch als Dolmetscher regelmäßig die Buchhaltung erledigen zu lassen bzw. die nötigen Aufgaben selbst zu übernehmen.

Bedenken Sie: Im Rahmen eines Dienstvertrags fallen Kosten an, die Sie einzeln aufgeschlüsselt in die Rechnungen übernehmen sollten und über die Sie den Überblick behalten müssen – mit einer geordneten Buchhaltung ist das kein Problem.


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Über den Autor

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Jürgen Busch

Als Autor und Internetunternehmer verfasste Jürgen Busch zahlreiche Beiträge für dieses Ratgeber-Portal. Im Fokus standen die Themenbereiche Existenzgründung, Marketing, Akquise und Honorare für Freiberufler aus dem Medienbereich. Als glücklicher Opa von fünf Enkelkindern betreibt er heute Ratgeber-Portale für die Zielgruppe „Oma & Opa“. Grossvater.de ist dabei sein Lieblingsprojekt.

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