Beratung

 

Steht die Existenzgründung an, so ist guter Rat vonnöten. Sicherlich bringen Sie als Existenzgründer oder angehender Gründer ein ausreichendes fachliches Wissen in Ihrem Bereich mit. Sie sind also in der Lage, eine qualifizierte Dienstleistung anzubieten. Dennoch werden Sie damit rechnen müssen, betriebswirtschaftliche und rechtliche Fragen zu haben und Lösungen finden zu müssen. Als Existenzgründer sollten Sie sich daher frühzeitig mit Ihrem Vorhaben beschäftigen und umfangreiche Informationen sammeln. Ziehen Sie hier sämtliche Beratungsmöglichkeiten hinzu, die sich Ihnen bieten.

ZUR VORORIENTIERUNG

Sie haben den Entschluss gefasst, sich beruflich auf die eigenen Beine zu stellen? Prima, dann kann jetzt die Vorbereitung losgehen. Besorgen Sie sich zuerst Existenzgründungsbroschüren, die zumeist kostenlos von Kammern, Fach- und Berufsverbänden oder Kreditinstituten herausgegeben werden. Auch der Bund kann ein geeigneter Ansprechpartner sein. Machen Sie sich mit Gesetzestexten vertraut und besorgen Sie sich Fachliteratur. Denken Sie daran, sich auch zu möglichen Förderungen zu informieren.

Hilfreich sind die Weiterbildungsverzeichnisse der Kammern. Sie sollten ein Existenzgründungsseminar besuchen, damit Sie alle nötigen fachlichen und rechtlichen Fragen beantwortet bekommen können. Auch Berater der Kammern, der Fach- und Berufsverbände, der Wirtschaftsförderungsgesellschaft oder der Kreditinstitute bieten Orientierungsgespräche an. Zunächst steht die Beratung durch den Existenzgründungsberater an.

Er wird zu allen wirtschaftlichen und technischen Fragen Auskunft geben können. Eine solche Beratung ist in der Regel nicht kostenlos. Die entstehenden Kosten können Sie jedoch als Betriebsausgaben im Rahmen Ihrer Einkommensteuererklärung geltend machen, wenn Sie gegründet haben. Sinnvoll ist überdies die Beratung durch den Steuerberater und durch den Rechtsanwalt. Sie werden eine Vielzahl von Steuerfragen haben, die Sie unmöglich allein beantworten können. Der Steuerberater begleitet Sie auch während der Einrichtung Ihrer Buchhaltung und sorgt später dafür, dass Ihre Gewinnrechnung rechtmäßig ist.

HILFE DURCH DEN EXISTENZGRÜNDUNGSBERATER

Die wichtigste Voraussetzung ist natürlich, dass Sie selbst von Ihrem Vorhaben überzeugt sind. Doch es kann sinnvoll sein, sich eine neutrale Meinung dazu anzuhören. Existenzgründungsberater sind darin geschult, Sie objektiv zu beraten und Ihnen auch Konsequenzen von Entscheidungen aufzuzeigen, die Sie mangels Erfahrung noch nicht abschätzen können.

Sie sollten daher rechtzeitig mit einem professionellen Existenzgründungsberater Kontakt aufnehmen. Achten Sie darauf, dass der Berater über ein umfassendes betriebswirtschaftliches und juristisches Fachwissen verfügt. Außerdem sollte er sich branchenintern auskennen. Einige Existenzgründungsberater haben sich auf bestimmte Branchen spezialisiert. Dies ist vor allem für die umfassenden Analysen hilfreich. Ein Existenzgründungsberater, der über regionalspezifische Kenntnisse verfügt, ist ebenfalls von Vorteil.

Er kann Sie zur Wahl Ihres Standorts beraten und ist sogar in der Lage, mit Ihnen am nötigen Marketingkonzept zu feilen.

Tipp: Lernen Sie den Existenzgründungsberater erst einmal kennen, ehe Sie sich für eine Zusammenarbeit entscheiden. Unverbindliche Vorgespräche sind meist sogar kostenlos möglich.

Der Existenzgründungsberater wird sich mit Ihrem Unternehmenskonzept auseinandersetzen. Dies gilt auch dann, wenn Sie als spezialisierter Facharzt oder als Heilpraktiker arbeiten wollen. Schließen Sie in jedem Fall einen Beratungsvertrag in schriftlicher Form ab. Dieser sollte folgende Punkte regeln:

  • Thema der Beratung
  • Beratungsleistungen
  • Umfang der Beratung sowie festgelegte Beratungstermine
  • Höhe des Honorars
  • Höhe eventueller Nebenkosten
  • Erstellung eines Beratungsberichts

Eine Existenzgründungsberatung hat in der Regel folgenden Umfang:

  • Beratung und Erstellung von Unternehmenskonzept und Businessplan
  • Planung von Maßnahmen zur Gründung
  • Überprüfung einzelner Teilbereiche, zum Beispiel Beratung zu Standort und Konkurrenz
  • Erstellung einer detaillierten Finanzplanung
  • Beratung bei der Investitionsfinanzierung
  • Einrichtung eines Gründungscontrollings
  • Mitarbeit und Beratung bei Kreditverhandlungen
  • Beratung in betriebswirtschaftlichen Fragen
  • Beratung und Hilfestellung bei der Beantragung von Fördermitteln
  • Gutachtenerstellung über die Erfolgsaussichten

Wie hoch das Honorar des Existenzgründungsberaters ausfällt, ist vom Umfang der Beratung und von der Anzahl der Termine abhängig. Die meisten Berater rechnen entweder pauschal oder auf Basis von Tagessätzen ab. Die Kosten werden mit einem Zuschuss öffentlich gefördert.

BERATUNG DURCH DIE INDUSTRIE- UND HANDELSKAMMER

Auch die Industrie- und Handelskammern bieten Beratungen an.

Bedenken Sie: Allerdings beraten sie eher zu gewerblichen Gründungen, weniger zu freiberuflichen.
Viele Hinweise, die gewerblichen Existenzgründern gegeben werden, sind jedoch für Freiberufler ebenso interessant.

Es kann sich daher durchaus lohnen, auch als angehender Physiotherapeut, Logopäde oder Ergotherapeut eine Beratung bei der Industrie- und Handelskammer zu nutzen. Beraten wird unter anderem zu folgenden Punkten:

  • Außenwirtschaft und EU-Markt
  • berufliche Aus- und Weiterbildung
  • Bezugsquellen für Adressen
  • Antragsverfahren für Existenzgründungen
  • Bedingungen für öffentliche Zuschüsse für Existenzgründungen
  • Unternehmensbörse nexxt-change
  • Eintragung im Handelsregister
  • Beratung zu Standortfragen
  • Informationen zu Messen und Ausstellungen
  • Personenbeförderung
  • Sachverständige und deren Bestellung
  • amtliche Statistiken
  • Umweltschutz
  • Wettbewerbsrecht
  • Beobachtung von Wirtschaft- und Konjunkturentwicklung

BERATUNG DURCH BANKEN UND SPARKASSEN

Auch die Banken und Sparkassen können Existenzgründern einen guten Beratungsservice bieten. Natürlich geht es hier in erster Linie um Finanzierungsfragen. Am besten wenden Sie sich zuerst an Ihre Hausbank. Sind Sie mit der dortigen Beratung nicht zufrieden oder wünschen Sie weitere Informationen, kann es lohnend sein, sich an eine andere Bank zu wenden. In den Banken gibt es spezielle Firmenkundenberater. Diese sind auch zu möglichen Förderprogrammen aussagefähig. Kostenlos erhalten Sie hier Fachbroschüren.

Ein hilfreicher Service der Volksbanken sind die Branchenbriefe. Die dort enthaltenen Daten werden ständig aktualisiert und enthalten umfassende Informationen zu mehr als 150 Branchen, darunter auch zu den freien Berufen.

WEITERE BERATUNGSMÖGLICHKEITEN FÜR FREIBERUFLER UND SELBSTSTÄNDIGE

Neben den bereits genannten Anlaufstellen gibt es weitere, die für eine Beratung infrage kommen. Geht es zum Beispiel um Fragen zu Ihrer Sozialversicherung, so können Sie sich an Kranken- und Rentenversicherungen werden.

Tipp: Lassen Sie sich auch zu einer Unfallversicherung bzw. zur Unfallversicherung Ihrer Mitarbeiter beraten. Hier ist die Berufsgenossenschaft der richtige Ansprechpartner.

Stellen sich Ihnen Fragen zu öffentlichen Förderungen, so ist zum Beispiel die KfW eine gute Adresse. Auch das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie, kurz BMWi, bietet ein Existenzgründerportal. Hier können Sie sich sogar vom heimischen Rechner aus im Internet über Ihren Weg in die Selbstständigkeit informieren. Außerdem gibt es ein Expertenforum, in dem Ihre Fragen zum Thema Existenzgründung beantwortet werden.

Gründen Sie sich aus der Arbeitslosigkeit heraus, so ist natürlich die Arbeitsagentur der beste Ansprechpartner. Weitere Informationsquellen sind:

  • Bundesministerium für Arbeit und Soziales
  • Bundesministerium der Justiz
  • Bundesagentur für Außenwirtschaft
  • Deutsches Patent und Markenamt

BESUCHEN SIE EIN GRÜNDUNGSSEMINAR IHRER KAMMER ODER IHRES VERBANDES

Lassen Sie sich anschließend von einem Berater der Kammer oder des Verbandes, von einem freien Unternehmensberater oder anderen kompetenten Fachleuten helfen. Klären Sie:

  • Zu welchen Fragen brauchen Sie Beratung
  • Wer kann Ihnen je nach Fragestellung weiterhelfen
  • Was Sie beim Abschluss von Beraterverträgen beachten sollten
  • Informieren Sie sich über die Beratungsförderung des Bundes

NETZWERKEN SIE ALS FREIBERUFLER

Für jeden Freiberufler gilt, dass Networking der Schlüssel zum Erfolg sein kann. Denn jeder kann vom Wissen und von den Erfahrungen anderer Freiberufler profitieren. Sei es nun in Fragen des Marketings, in Bezug auf Honorare oder die Ausweitung des eigenen Angebots. Vor allem Existenzgründer profitieren davon, wenn sie sich mit den „alten Hasen“ aus dem Geschäft auf ein Gespräch einlassen.

Sie erfahren, was wirklich wichtig ist, welche Stolperfallen auf welche Art und Weise am besten umgangen werden und ob es haftungsrechtliche Besonderheiten in ihrem Beruf gibt. Sicher, all diese Fragen können auch im Rahmen der Gründungsberatung geklärt werden, doch oft fehlt hier der tatsächliche Praxisbezug.

Hinweis: Wer sich die Informationen aus dem beruflichen Alltag holt, findet oft leichter eine Möglichkeit, die so gegebenen beratenden Hinweise selbst umzusetzen.

AUCH RATGEBER-BÜCHER BERATEN DEN FREIBERUFLER!

Zu viele Informationen durch eine Beratung kann nicht immer förderlich sein. Der unten genannte Praxisratgeber informiert über fast alle gründungsrelevanten Themen und sensiblisiert Sie dadurch mögliche Problemen bei oder nach erfolgter Gründung zu ver meiden. Wer bei seiner Existenzgründung teure Honorare sparen möchte, sollte sich dieses Buch bestellen.

Praxisratgeber Existenzgründung: Erfolgreich starten und auf Kurs bleiben

WIE WIRD MAN EIGENTLICH FREIBERUFLER?

Freiberufler werden: Häufige Fragen

Freiberufler werden: Häufige Fragen

Sie benötigen eine Steuernummer, die Sie beim zuständigen Finanzamt beantragen. Die Steuernummer sollten Sie spätestens vier Wochen nach Aufnahme Ihrer Tätigkeit beantragen. Nach Erhalt der Steuernummer sind Sie beim Finanzamt registriert und müssen jedes Jahr Einkommensteuer abführen. Prüfen Sie vor der Anmeldung beim Finanzamt auch, ob für Sie die Anwendung der Kleinunternehmerregelung sinnvoll ist. Und dieses kennzeichnet einen Freiberufler:

  • sie zahlen Einkommensteuer
  • ermitteln ihren Gewinn aus einer einfachen Gegenüberstellung von Einnahmen und Ausgaben
  • zahlen Umsatzsteuer
  • sind häufig in der Künstlersozialkasse versichert
  • benötigen keinen Gewerbeschein
  • zahlen keine Gewerbesteuer
  • müssen dem Finanzamt keine Bilanzen vorlegen

Diese Tipps und Hinweise zur Beratung von Selbstständigen stammen vom Autor:

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